Hangpflege – Hangentwässerungsmethoden in Rutschgebieten

Reduzierte Hangpflegearbeiten als Risiko
Instabilitäten wie Rutschungen und Hangmuren sind der Bevölkerung im Bewusstsein. Allein im Sommer 2005 sind durch ein verheerendes Unwetter im Schweizer Voralpengebiet zahlreiche schwere Sachschäden infolge von Rutschungsereignissen entstanden. Potentielle Rutschgebiete wurden früher in Handarbeit und mit einfachen, kleindimensionalen Entwässerungsmassnahmen stabilisiert. Heute werden zunehmend Maschinen eingesetzt; das Gespür für die Natur ist verloren gegangen. Reduzierte Hangpflegearbeiten führen heute vermehrt zu grossflächigen Vernässungen, welche Rutschgebiete reaktivieren und bei starken und lang anhaltenden Niederschlägen Spontanrutsche begünstigen. Aus geologischen Gründen ist der oberflächlichen Hangentwässerung auch im Kleinbereich grösste Aufmerksamkeit zu schenken.
Kombination aus traditionellem Wissen und neuesten Methoden
Im Rahmen des Projekts Hangpflege entwickelt das Kompetenzzentrum Naturereignisse und Geotechnik der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau (BFH-AHB) einerseits präventive Entwässerungs- und Pflegemassnahmen, andererseits einen Kriterienkatalog zur Früherkennung von Gefahrengebieten. Mit angepassten Methoden aus der Ingenieurbiologie und der Geotechnik werden an zwei Versuchshängen in Lenk Entwässerungsmassnahmen zur Verhinderung von zerstörerischen Massenbewegungen in rutschgefährdeten Hängen getestet. Die Strategie lautet, traditionelle, in Vergessenheit geratene Methoden mit neuestem Fachwissen zu kombinieren, um optimale Ergebnisse zu erzielen. So sollten die für die projektierten Massnahmen notwendigen Materialien einfach („low-tech“), ökologisch, kostengünstig und leicht beschaffbar sein.
Zum Einsatz kamen unter anderem Holzroste, Steinkisten, Holzkännel und Faschinen. Die Beobachtung des Verhaltens dieser Entwässerungsmassnahmen umfasst Abfluss- und Bewegungsmessungen sowie Kontrollen bezüglich der Funktionstüchtigkeit, der Geschiebefracht und der Vegetation. Alle realisierten Entwässerungsmassnahmen haben auf Anhieb ihre Wirkung gezeigt. Die entstandenen Kosten für die präventiven Entwässerungs- und die anschliessenden Pflegemassnahmen waren in jedem Fall viel tiefer als die Kosten, die für eine Schadenbehebung entstanden wären. Für die Untersuchung der Langzeitwirkung der Massnahmen werden verschiedene Untersuchungen über mehrere Jahre durchgeführt.
Aufbauend auf einer detaillierten geologischen und geotechnischen Charakterisierung von Rutschgebieten wird ein Kriterienkatalog zur Früherkennung von Gefahrengebieten entwickelt. Er zeigt anhand von Illustrationen potentielle Gefahren auf und empfiehlt individuelle Entwässerungsmassnahmen sowie Pflege- und Unterhaltsarbeiten, um den Gefahren erfolgreich entgegenzutreten. Betroffene und Institutionen wie Versicherungen sollen von diesem Leitfaden profitieren.
Sensibilisierung und Wissenstransfer
Das Netzwerk Wasser im Berggebiet hat das Projekt im Rahmen des Swiss Mountain Water Award 2007 mit einem Förderpreis ausgezeichnet. Ein Teil des Preisgeldes floss in die Installation eines themenspezifischen Lehrpfades, der über die konkreten Schutzmassnahmen informiert und die Öffentlichkeit für die Problematik der Hangpflege sensibilisiert. Der GEOpfad in Lenk wurde am 13. Juni 09 eröffnet.
| Status: | aktiv |
| Partner: | Berner Fachhochschule Architektur, Bau und Holz |
| Kontakt: | Prof. Martin Stolz |
| Pestalozzistrasse 20 | |
| Postfach 1058 | |
| 3401 Burgdorf | |
| Tel: +41 34 426 42 66 | |
| e-mail: martin.stolz(at)bfh.ch |
Zusätzliche Informationen:
Medienbericht:
28.05.2009: Von Kühen, Hangrutschen und schiefen Bäumen, Simmental Zeitung
16.06.2009: Erfahren, warum Hänge rutschen, Berner Oberländer
Links:
Berner Fachhochschule Architektur, Bau und Holz
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